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Intergenerationelles Lernen ist Kitt der Gesellschaft

Wettbewerb „Westfalen bewegt“: Preis für Projekt „EULE“

Büren/Münster. Ein wenig klingt es nach verkehrter Welt: Schüler als Lehrende und Senioren als Lernende. Das generationsübergreifende Projekt „EULE als Bindeglied zwischen U20 und Ü55“ fördert einen Dialog, in dem Jugendliche neue Sichtweisen kennenlernen und Vorurteile überwinden gegenüber der älteren Generation, die ihrerseits in aktiver Freizeitgestaltung sich neue Wissensgebiete erschließt.

„Hier wird Schule zu einer Begegnungsstätte und übernimmt mit dem intergenerationellen und interkulturellen Austausch wichtige Funktionen, die den normalen Unterrichtsalltag erweitern und bereichern“, lobt Dr. Karl-Heinrich Sümmermann das Konzept. Der Vorsitzende der Stiftung Westfalen-Initiative erläutert damit zugleich die Jury-Entscheidung, das Projekt des Ludwig-Erhard-Berufskollegs des Kreises Paderborn am Schulort Büren im Rahmen des diesjährigen Wettbewerbs „Westfalen bewegt“ mit einem zweiten Preis zu würdigen.

EULE steht für Erleben, Unterrichten, Lernen und Experimentieren - und genauso vielfältig ist das Angebot dieses Projekts, in dessen Rahmen Schüler ehrenamtliche Kurse für Senioren anbieten. Die Schülerinnen und Schüler vermitteln Computerkenntnisse sowie den richtigen Umgang mit dem Smartphone, weiterhin stehen Sprachkurse oder auch Spielrunden wie Gedächtnistraining und Poker auf dem Programm.

„Anders als viele andere Angebote für Erwachsene orientiert sich das Angebot nicht an einem Curriculum. Inhalte der 60-minütigen Unterrichtseinheiten sind vielmehr die Lernbedürfnisse der älteren sowie die Kenntnisse und Fähigkeiten der jüngeren Generation“, erläutert Dr. Christof Gockel. Der Lehrer hat das Projekt Anfang 2008 initiiert und betreut es zusammen mit drei Kollegen. Sie helfen und unterstützen, wo es nötig ist, halten sich aber ansonsten zurück und lassen den Jugendlichen bei der Kursgestaltung freie Hand.

Das Projekt beinhaltet aus der Sicht von Detlef Sandmann, Leiter der Dependance Büren, die wichtige Chance zur Öffnung des Berufskollegs für außerschulische Partner. Zum Motto „Lernen in entspannter Atmosphäre“ zählen für ihn dabei auch eine lockere Umgebung und nette persönliche Gespräche. Da passt das Café EULE ins Bild, in dem ein Service-Team kostenlose Getränke anbietet sowie zuweilen von Schülern gebackenen Kuchen oder Waffeln.

„Alle Beteiligten profitieren von diesem Miteinander. Die Jugendlichen werden durch die Begegnung mit den Senioren zur Beschäftigung mit der eigenen Lebensperspektive angeregt. Zugleich entwickeln sie Kompetenzen im menschlichen Umgang und stärken ihre Persönlichkeit. Das kann ihnen auch im Beruf helfen. Die Senioren wiederum können Lebenserfahrung weitergeben und erhalten einen neuen Blick auf die Jugend von heute außerhalb der Familie“, bekräftigt Matthias Graf von Westphalen. Das Konzept des Projektes hat ihn derart überzeugt, dass er sich an der Auszeichnung durch die Westfalen-Initiative beteiligt hat.

„Diese Form des ehrenamtlichen Einsatzes ist der Kitt der Gesellschaft. Er hält sie zusammen, gerade auf der kommunalen Ebene der Städte und Gemeinden“, ergänzt Christian Bambeck, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Büren und Vorstand des Caritasverbandes im Dekanat Büren, welcher Kooperationspartner des EULE-Projektes ist. Er weiß, dass das Projekt immer weitere Kreise zieht. 13 Schülerinnen und Schüler bieten im laufenden Schuljahr Kurse an, die 40 Senioren regelmäßig besuchen. Längst begegnen sich die Generationen auch außerhalb der Schule, etwa im örtlichen Seniorenwohnpark. Dort lebt auch eine Seniorin, die die Seite gewechselt hat:

Bereits 2008 war sie als Lernende dabei. Nun bringt sie im Rahmen der neu ins Leben gerufenen Konversationskurse einem jungen Kurden Deutsch bei.

Aber auch außerhalb von Kursen und Café gibt es gemeinsame Aktivitäten aller Beteiligten. Dazu gehören Theater- und Musicalbesuche oder Ausflüge zu weiter entfernten Museen oder Sportveranstaltungen. Da dies für die Ehrenamtler kostenlos sein soll und zudem laufend neue Lehrmaterialien angeschafft werden müssen, kommen die 5.000 Euro Preisgeld gerade recht.

Mit seinem Ansatz erfüllt das Projekt alle wesentlichen Kriterien des Wettbewerbs „Westfalen bewegt“. Der war in diesem Jahr zum fünften Mal ausgeschrieben. Er richtet sich an Gruppen in Westfalen, die in nachahmenswerter Weise die Gestaltung der Zukunft selbst in die Hand nehmen und nicht allein auf staatliche oder bereits institutionalisierte Hilfe bauen. Dieses beispielhafte bürgerschaftliche Engagement fördert die Westfalen-Initiative in 2017 im Einzelfall mit bis zu 8.000 Euro. Insgesamt stehen in diesem Jahr 38.000 Euro zur Verfügung. Seit 2013 hat die Westfalen-Initiative 47 Projekte mit einem Gesamtbetrag in Höhe von 245.000 Euro ausgezeichnet. Sie honoriert und unterstützt damit ganz maßgeblich den ehrenamtlichen Einsatz von Bürgern in der Region.

Quelle: Pressebericht Westfalen-Initiative vom 06.07.2017

www.westfalen-initiative.de


Preisverleihung

Über die Auszeichnung freut sich das gesamte EULE-Team mit (vordere Reihe v.l.) Christian Bambeck, Matthias Graf von Westphalen, Dr. Christof Gockel, Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Helmut Zumbrock, Detlef Sandmann und Alfons Bölte, Ludwig-Erhard-Berufskolleg Büren, 06.07.2017


weitere Presseberichte:

„EULE erhält Auszeichnung“, „Westfälisches Volksblatt“, Ausgabe Büren/Salzkotten, vom 10.07.2017

„Ludwig-Erhard-Berufskolleg erhält Preis“, „Neue Westfälische“, www.nw.de (Stand: 11.07.2017)

„Schüler als Lehrende und Senioren als Lernende“, „Neue Westfälische“ vom 12.07.2017

„Intergenerationelles Lernen“, Homepage Ludwig-Erhard-Berufskolleg des Kreises Paderborn, www.lebk.de (Stand: 12.07.2017)

„Intergenerationelles Lernen ist Kitt der Gesellschaft“, Homepage der Stadt Büren, www.bueren.de (Stand: 13.07.2017)

„EULE als Bindeglied zwischen U20 und Ü55“, „NeueRegionale“ vom 16.07.2017

„Intergenerationelles Lernen ist Kitt der Gesellschaft - Wettbewerb „Westfalen bewegt“: Preis für Projekt „EULE““, In: „Die kaufmännische Schule“, Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen in NRW e.V., Ausgabe 6/2017 August/September 2017, Seite 17f.



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