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Schüler werden zu Lehrern

Mit einem setlsamen Gefühl betrete ich als Senior zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder eine Schule. Ich bin der Einladung des Ludwig-Erhard-Berufskollegs gefolgt und möchte das Projekt EULE einmal näher kennen lernen. Was erwartet mich hier?

EULE? Was ist das? Es ist eine Abkürzung für Erleben, Unterrichten, Lernen, Experimentieren. Schüler werden zu Lehrern und geben ihr Wissen und Können an Senioren weiter, die jeden Freitag zwischen 13.30 Uhr und 16.00 Uhr in die Rolle eines Schülers schlüpfen.

Angeboten werden in Kursform: Gedächtnistraining, Englisch für Einsteiger, Computer für Einsteiger, Kreatives Schreiben und Kreatives Zeichnen und Basteln. Die 60-minütigen Kurse werden jeweils von 2-3 Schülerlehrern begleitet. Dieses Projekt richtet sich an interessierte Junggebliebene, die sich in lockerer, persönlicher Atmosphäre weiterbilden und die neuen Medien kennen lernen möchten. Doch geht es nicht allein um Weiterbildung oder Wissensvermittlung. Ebenso bedeutungsvoll sind nette Gespräche zwischen den Jungen und Junggebliebenen bei einer Tasse Kaffee und Keksen.

Ich betrete nun die Schule und werde von Brigitte Badke, der Koordinatorin für Caritas im Caritasverband im Dekanat Büren e.V. begrüßt. Nach und nach lerne ich auch die verantwortlichen Kollegen des Ludwig-Erhard-Kollegs kennen: Susanne Streiß, Marianne Binschek, Thomas Powalka, Udo Hoischen und Christof Gockel. Meine anfängliche Beklemmung löst sich schlagartig, als ich die lockere Atmosphäre erlebe. Hier herrscht kein Zwang, etwas tun zu müssen. Hier dürfen wir Senioren von jungen Menschen etwas lernen, was für sie Alltag ist, uns aber noch mannigfache Probleme bereitet, besonders was den Computer betrifft. Das Überraschende ist, dass die freiwillig zu Schülern mutierten Senioren sofort mit ihren „Lehrern“ einen zwanglosen Kontakt aufnehmen; altersbedingte Berührungsängste entstehen gar nicht erst.

Im Anschluss an die Kurse treffen sich Alt und Jung bei einer Tasse Kaffee. Dort lernen sich auch die Senioren aus den anderen Kursen kennen, und bald ist ein munterer Plausch im Gange. Dabei erfahre ich, dass nicht nur ich gewisse Vorbehalte hatte, als ich mich entschloss, dem Kursangebot zu folgen. Mittlerweile ist eine harmonische Gemeinschaft entstanden, die mit Begeisterung sich auf jeden Freitagnachmittag freut.

Bisheriger Höhepunkt war die gemeinschaftliche Fahrt zum Heinz-Nixdorf-Museum.

Interessieren auch Sie sich für das Projekt EULE? Kommen Sie doch einfach einmal am Freitagnachmittag um 13.30 Uhr zum Ludwig-Erhard-Berufskolleg und nehmen an einem der Kurse teil. Einsteigen kann man zu jeder Zeit.

Alfons Bambeck, Büren

Quelle: Stadtspiegel, Heft Nr. 131 vom 07.06.2008, Seite 24

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